Gerät

Eine Metabo Bohrmaschine vom Typ Sb ED 800/2 S. Ein Versuch das Gerät vor dem Schrott zu bewahren.

Symptomatik

Das Gerät lässt sich nicht mehr starten.

Fehlersuche

Erste Verdachtsmomente: die Kohlebürsten, der Entstörkondensator oder Kabelbruch. Am Griff befinden sich vier Schrauben, diese drehen wir zu allererst heraus. Der Deckel des Griffs lässt sich dann einfach abnehmen.

Vermutung 1: Kabelbruch

Um einen Kabelbruch auszuschließen schließen wir oben an den Kohlen ein Multimeter an und starten das Gerät. Bitte nicht an den offen liegenden Schalter kommen, sondern vorher, im ausgestecken Zustand, die Arretierung des Schalters (der scharze Knopf) nutzen und dann die Bohrmaschine nur noch anstecken (am besten über einen abschaltbaren Steckdosenaufsatz).

Der Rotor dreht sich nicht, aber die Spannung kommt an.

Vermutung 2: Defekter Entstörkondensator

Da der Strom an den Kohlen ankommt, wäre auch die Sache mit dem Entstörkondensator (dem grauen Ding im Griff) erledigt.

Tatsächlich wäre dann wohl auch die Sicherung geflogen wenn dieser einen Kurzschluss hätte. Näheres zu dieser Art von Kondensator auf Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Entst%C3%B6rkondensator) oder bei gegebenen Anlass hier bei 0x0001.de ;)

Vermutung 3: Abgelaufene Kohlen

Zwischenzeitlich hat sich bei der Bohrmaschine etwas getan: Sie ging an, aber nicht ohne Spektakel. An den Kohlebürsten flogen die Funken und nach kurzer Zeit blieb der Rotor wieder stehen. Spricht eigentlich für die Kohlen... Diese lassen sich zur näheren Untersuchung einfach nach oben herausziehen:

Die Kohlen sind bereits so kurz, wir müssen sie definitv austauschen, sofern das denn das einzige Problem bleibt.
Neue Kohlen für dieses Modell haben übrigens eine Länge von ca. 16mm und kosten etwa 7€ (nur noch vom Dritthersteller lieferbar).

Interessant war, dass nur eine der beiden Kohlen so stark abgenutzt war. Die Frage ist, hat sich die Kohle wegen dem s.g. Bürstenfeuer (den Funken an der Kohle) so stark abgenutzt, oder ist sie die Ursache dafür? Wir könnten einfach neue Kohlen bestellen... Aber was wenn die so stark abgenutzten Kohlen eben nur ein Symptom sind?

Tatsächlich: Wicklungsschluss

Eine andere Ursache für so ein Bürstenfeuer wäre eine defekte Wicklung. Dabei verbrennt in der Regel der Isolationslack bei Überbelastung des Motors und verursacht einen Kurzschluss. Dazu messen wir mit einem Multimeter je den Widerstand zweier gegenüberliegender Kollektorflächen. Entweder baut man dazu den Rotor aus, oder man klemmt das Multimeter (Einstellung Ohm) an die Kohlenkontakte und dreht langsam am Bohrfutter.

Der Widerstand sollte in etwa gleich bleiben, der Wert ansich ist weniger interessant. Bei mir schwankte der Widerstand jedoch stark, weswegen ich den Rotor doch noch ausgebaut habe um auf Nummer Sicher zu gehen. Dazu müssen wir die Schraube des Geschwindigkeitsknopfes (Schildkröte/Hase), den Drehknopf selbst, sowie dann die nun zugängliche Schraube zum Gehäuse lösen. Dann noch die letzten zwei Schrauben - jene von "hinten nach vorne" - am Gehäuse entfernen.

Nachdem wir jetzt das Getriebegehäuse mitsamt dem roten Zwischenteil nach vorne abgezogen haben, lässt sich der Stator einfach herausnehmen und nochmal direkt nachmessen - leider kam ich zu einem ähnlichen Ergebnis.

Bei einem genauen Blick sieht man schon die lädierten Kupferdrähte. Der Rotor als Ersatzteil ist nicht mehr verfügbar, neu wickeln lassen ist auch zu teuer. Ein weiteres Indiz für diese Ursache offenbart sich bei einem Blick auf den Kollektor, man erkennt eindeutig zwei "gegenüberliegende" Bereiche, bei denen die Lamellenkanten stark erodiert sind. Hier entstehen die Funken und hier ist auch verminderte Widerstand zu messen. Am Besten lässt sich das sehen wenn man die Kollektoflächen vorher mit der groben Seite eines Küchenschwamms säubert, und dann nochmal ein paar Runden laufen lässt.

Die Bilder zeigen "normale" Kollektorflächen im Vergleich zu den erodierten.

Damit ist die Bohrmaschine leider doch ein Fall für die Ersatzteilkiste... den Rotor neu wickeln ist mir eine Nummer zu hoch (vorallem das Auswuchten danach, sind euh die Einfräsungen aufgefallen?). Zumindest habe ich mir die Kosten für die Kohlen erspart.

Bohrfutter

Zwischenzeitlich habe ich mich in meiner Zuversicht am Bohrfutter ausgetobt. Drei Minuten Zeit und ein Sandstrahler bewirken Wunder, leider im Endeffekt verschwendete Zeit. Trotzdem schön zu sehen, dass man die Maschine - auch wenn die aussieht wir Kraut und Friedrich - zumindest äußerlich wieder in Schuß bringen könnte.

Falls ihr euer Bohrfutter ebenfalls reinigen wollt: einfach vorne einen großen Inbus-Schlüssel einspannen und hinten die Kontermutter mit einem Schraubenschlüssel festhalten, dann das Bohrfutter gegen den Uhrzeigersinn abdrehen.

P.S.: Ein herzliches Dankeschön an alle aus dem Mikrocontroller.net Forum. Ich wurde hier bei der Eingrenzung Kohle/Wicklung hervorragend beraten.

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